31.10.2008
Chicago Tribune: “Herr Gardner, sie leiden seit zwölf Jahren am sogenannten Locked-in-Syndrom, können sich also nur mittels ihrer Augenbewegung verständigen. Jetzt ist es ihnen erstmals wieder möglich, durch einen implantierten Computerchip mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Wie befreiend war dieser Schritt für sie?”
Ephraim Gardner: “Das ist mit Worten schwer zu beschreiben. Ich habe schließlich alles mitbekommen was um mich herum passiert ist. Nur ausdrücken konnte ich mich nicht. Ich fühlte mich einsam und hilflos, entwickelte einen Hass auf meinen Körper, der mich gefangen genommen hatte. Diese Barriere zu überwinden ließ mich das Gefühl zurückgewinnen ein real existierender Mensch zu sein. Es ist wie eine Wiedergeburt.”
Chicago Tribune: “Sie kommunizieren mit uns über ein simples Textprogramm, das sie über ihr Sprachzentrum steuern. Wie fühlt sich das an bzw. auf welche Hindernisse sind sie beim Erlernen dieser neuen Kommunikationsform gestoßen?”
Ephraim Gardner: “Es fühlt sich an als würde jemand meine Gedanken aufzeichnen. Natürlich musste ich mir angewöhnen in zusammenhängenden Sätzen zu denken, damit mein Gegenüber mir folgen konnte. Im Grunde ist es wie Sprechen, nur dass der letzte Akt, das Schwingen der Stimmbänder und die Lautbildung im Mund, entfällt. Es ist das, was ich mir zwölf Jahre lang gewünscht habe: dass jemand meine Gedanken lesen kann.”
Chicago Tribune: “Was hat sie dazu bewogen nicht aufzugeben?”
Ephraim Gardner: ” Meine Frau und meine beiden Töchter. Sie haben in jeder Minute zu mir gehalten. Natürlich gab es auch Phasen, gerade in den ersten Monaten nach der Erkrankung, in denen ich mich aufgeben wollte. Aber schließlich konnte ich mich ja nicht die nächstbeste Brücke hinunterstürzen, nicht wahr? Aber spätestens jetzt weiß ich, dass es richtig war durchzuhalten. Ich habe meine Töchter aufwachsen sehen, ohne mich ihnen mitteilen zu können. Es war grausam. Endlich lernen sie ihren Vater richtig kennen. Wir verbringen mehrere Stunden am Tag damit uns zu unterhalten, um die verlorene Zeit aufzuholen. Seit mein Chip an diese Lautsprecher angeschlossen ist, muss meine Familie nicht erst ans Handy oder den Computer, um meine Gedanken zu lesen. Diese nette Stimme liest sie für mich vor. Es ist das erste Mal seit zwölf Jahren, dass ich einen Witz machen kann und die Person im selben Moment darüber lachen sehe.”
Chicago Tribune: “Hatten sie keine Zweifel, ob die CellFeeds bei ihnen funktionieren würden?”
Ephraim Gardner: “Ich setzte so große Hoffnungen in diese Innovation, dass ich mir Zweifel gar nicht hätte leisten können. Ich bin den Menschen, die eine solch wunderbare Erfindung gemacht haben unendlich dankbar. Sie haben mir mein Leben zurückgegeben”
Chicago Tribune: “Sie konnten sogar ihren Beruf als Immobilienmakler wieder aufnehmen. Wie hat man sich das vorzustellen?”
Ephraim Gardner: “Ganz einfach. Meine Frau schiebt mich im Rollstuhl durch das zu verkaufende Haus, ich mache mir Notizen, indem der Chip meine vorformulierten Worte ausliest und auf mein Notebook überträgt. Dann stellt meine Frau die Beschreibung ins Internet. Emails kann ich komplett selbstständig beantworten. Nur die Führungen muss leider mein Schwager übernehmen.”
Chicago Tribune: “Sie haben bestimmt von den VisualFeeds gehört, die bald auf dem Markt verfügbar sein werden. Ein kleiner Schritt für die Menschheit - ein großer Schritt für sie?”
Ephraim Gardner: “Nein. Ein großer Schritt für mich und ein vielleicht noch größerer für die Menschheit. Überlegen Sie mal, was alles möglich ist, wenn wir auf einmal virtuell sehen können…”